Der Palmengarten in Frankfurt

Der Frankfurter Palmengarten stellt die größte grüne Erholungsfläche in der Frankfurter Innenstadt und ist ein sehr beliebtes Ausflugs-, Touristen- und Erholungsziel. Mit seinen verschiedenen Häusern, die unterschiedliche klimatische Bedingungen simulieren, sowie seiner einst direkten universitären Verbindung, ist er dank großer botanischer Vielfalt auch ein botanisch-wissenschaftlicher Interessenspunkt.

Aufbau und Lage

Der Palmengarten ist als einer von drei botanischen Gärten im Stadtteil Westend in Frankfurt am Main gelegen. Nordöstlich liegt angrenzend das Gelände des botanischen Garten Frankfurt, angrenzend ist weiterhin der Grüneburgpark. Ersterer gehörte bis 2011 zur Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt. Südlich des Palmengartens befand sich bis 2006 das amerikanische Generalkonsulat.

Mit seinen 22 Hektar zählt der Palmengarten zu den größten Gärten in Deutschland. Zusammen mit den genannten Angrenzungen bildet er in Frankfurt die größte Grünflächenanlage in der Innenstadt.

Historie

In Frankfurt wurden im 19. Jahrhundert viele privatbürgerlich getriebene Projekte initiiert, aus denen neben dem Eisernen Steg – einer bekannten Fußgängerbrücke in Stahlkonstruktion – auch der Palmengarten entsprang. Die Eröffnung des letzteren fand am 161. März 1871 statt. Drei Jahre zuvor wurde diesbezüglich ein Verein gegründet, um die notwendigen Ländereien zu kaufen. Der damalige Besitzer war Herzog Adolf von Nassau. Das zum Verkauf angebotene Gelände gehörte zu der ehemaligen Residenz von Schloss Biebrich. Der Verkauf wurde von Heinrich Siesmayer abgewickelt, einem erfahrenen Gartenfachmann.

Flächenzukäufe

Die Stadt Frankfurt stellte einen Großteil der Flächen, beispielsweise das Grundstück an der Bockenheimer Landstraße, zur Verfügung. Es wurde für 99 Jahre gepachtet (Erbpacht). Die aus dem Verein resultierende Aktiengesellschaft Palmengarten AG initiierte 1884 weitere Grundstückszukäufe. Die Stadt kaufte die Grundstücke vor dem Hintergrund, dass der Palmengarten später unter kommunale Kontrolle fallen wird.

Gestaltung, Konzept und Ausrichtung

Die Gestaltung folgte damals dem Konzept der Galerie des Machines Hallen, einige Jahre zuvor auf der Pariser Weltausstellung von 1867 zu sehen, sowie des Parc des Buttes-Chaumont. Nach Heinrich Siesmayer sollte später, in den 1940er Jahren, die östlich angrenzende Straße benannt werden. Er wurde erst 1886 als Direktor des Palmengartens von seinem Nachfolger August Siebert abgelöst. Dieser sorgte in den Jahren 1905 und 1906 für die Errichtung weiterer neuer Pflanzenschauhäuser und stärkte die wissenschaftlich-botanische Ausrichtung der Institution. Der Palmengarten ist bis dahin längst zu einem gesellschaftlichen Zentrum Frankfurts geworden.

Bedeutende Ereignisse und Veranstaltungen

Einen Niederschlag erlitt der Palmengarten durch den Brand des Gesellschaftshauses im Jahr 1877.

Ein Höhepunkt in der Gestaltung war die von Mai bis September 1881 elektrisch betriebene Bahn der Firma Siemens & Halske. Ein entsprechender Rundkurs wurde im Osten des Parks im Rahmen der Allgemeinen Patent- und Musterschutz-Ausstellung aufgebaut. Er hatte eine Spurweite von 50,5 cm. Die Bahn fuhr maximal 7 km/h und wurde mit 150 Volt Gleichspannung über eine Stromschiene mit Energie versorgt. Die Lok hatte eine Leistung von 2,2 Kilowatt.

Auch der Besuch von Buffalo Bill, einem bekannten amerikanischen Büffeljäger, war ein Höhepunkt im Jahr 1890. Buffalo Bill trat mit 200 Indianern sowie Cowboys auf und bot bis heute die einzige Westernshow im Palmengarten dar.

In Frankfurt wurde in den 1880er Jahren eine der ersten Eisbahnen der Welt temporär installiert. Im Norden des Palmengartens wurde eine permanente Eisbahn 1890 gebaut. Sie war kostenpflichtig und wurde zu einem beliebten Treffpunkt für die Oberschicht. Im Sommer diente die „Eisbahn“ als Gelände für Tennisplätze. Entsprechend fusionierten bald darauf die beiden Sportclubs Frankfurter Schlittschuhclub und Lawn-Tennisvereinigung Palmengarten zu einem gemeinsamen Frankfurter Sportclub Sachsenhausen. Bis in das 20. Jahrhundert wird der Palmengarten die beliebteste Adresse für die beiden Sportarten Eislaufen und Tennis bleiben.

Die Zeit nach dem ersten Weltkrieg

Die finanzielle Situation des Palmengartens und der dahinterstehenden Palmengarten AG war nach dem ersten Weltkrieg sehr schlecht. In den 20er Jahren vergrößerte sich deshalb der Einfluss der Stadt. 1929 wurde seitens der Stadt ein moderner Anbau an das Gesellschaftshaus errichtet. Am 01. Juni im Jahr 1931 übernahm die Stadt schlussendlich vollends die Kontrolle über den Palmengarten. Projiziert wurde eine Entwicklung hin zu einem Volksgarten für die Allgemeinheit. Das Areal wurde zu Zeiten der Weltwirtschaftskrise umgestaltet – auf Grund von Notstandsarbeiten und die damit einhergehende Arbeitsbeschaffung. Baufällige oder dem zeitlichen Geschmack nicht mehr entsprechende Gebäude und Konstruktionen wurden zu dieser Zeit abgerissen. Dazu zählten beispielsweise die Kettenbrücke und das Schweizerhaus.

Der zweite Weltkrieg

Der 2. WK brachte deutlich größere Schäden und Veränderungen mit sich: Durch den zweiten Weltkrieg konnte eine für 1941 vorgesehene internationale Gartenbauausstellung nicht durchgeführt werden. Der Westflügel des Gesellschaftshauses brannte nach einem Luftangriff in der Nacht zum 13. September 1944 völlig aus.

Die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg bis heute

Nach dem 2. WK zählte der Palmengarten drei Jahre lang als Sperrgebiet in Besitz der amerikanischen Besatzungsmacht. Ab 1948 konnte der Palmengarten teilweise wieder betreten werden. In die städtische Verwaltung ging der Garten aber erst am 14. Juli 1953 wieder über. Die Beseitigung der meisten und gröberen Kriegsschäden war erst 1954 abgeschlossen – allerdings mit architektonischen und künstlerischen Einschränkungen. So wurden die einst schön verzierten Wände des Gesellschaftshauses beispielsweise mit einfachen Schalungen aus Holz verdeckt.

Ab 1970 vergrößerte sich die Zahl der Attraktionen im Palmengarten sowie die Gebäudemasse bis heute stetig:

  • 1972:
    • Bau der Parkeisenbahn Palmen-Express
  • 1980 – 1992:
    • Sanierung alter Gewächshäuser
    • Errichtung neuer Schauhäuser (Tropicarium, Subantarktishaus, …)
    • Verlegung der Tennisplätze
  • 2002:
    • Schließung des Gesellschaftshauses
  • 2012:
    • Neuer Triebzug für den Palmen-Express, gebaut von SLZ-Maschinenbau GmbH
    • Wiedereröffnung des Gesellschaftshauses

Der Palmen-Express

Die ab 1972 im Palmengarten verkehrende Schmalspurbahn ist bis heute eine Attraktion. Sie läuft akkubetrieben und verfügt über eine Spurweite von 60 cm. Die Strecke ist 650 Meter lang und umfasst ein einziges Gleis.

Das Gesellschaftshaus

Im Jahr 2002 musste das Gesellschaftshaus auf Grund von Baufälligkeit geschlossen werden. Erst im Jahr 2005 wurden die notwendigen finanziellen Mittel vom Magistrat freigegeben. Die Reparatur war auf das Jahr 2007 angesetzt, die Eröffnung auf das Folgejahr 2008. Allerdings wurden die Reparaturarbeiten durch einen Rechtsstreit um die europagerechte Auftragsvergabe verzögert. Erst im April 2009 begannen die Sanierungsarbeiten, nun war die Eröffnung für den Herbst im Jahr 2011 vorgesehen. Auch dieses Datum musste jedoch verschoben werden, da ein Befall mit Hausschwamm sowie andere Schäden festgestellt wurden. Im Endeffekt wurde das Gesellschaftshaus daher erst im September 2012 wiedereröffne, 10 Jahre nach der Schließung. Heute befindet sich darin ein 2-Sterne Restaurant, das Lafleur, mit dem Koch Andreas Krolik.

Die Direktoren

Seit dem zweiten Weltkrieg gab es für den Palmengarten 4 Direktoren:

  • 1968 bis 1992: Gustav Schoser
  • Bis 1996: Isolde Hagemann
  • 1998 bis 2018: Matthias Jenny
  • Bis heute: Katja Heubach

Veranstaltungen

  • 1897: Erstes Leichtathletik-Sportfest
  • 1931: Erstes Rosen- und Lichterfest
  • 1959: Erstes Jazzfest der Reihe Jazz im Palmengarten
  • 2010: Ausstellung Stadt-Grün in Kooperation mit dem Deutschen Architekturmuseum
  • 2014: Letzte Beteiligung an der Nacht der Museen
  • 2012: Ausstellung Winterlichter des Künstlers Wolfgang Flammersfeld
Jazz im Palmengarten

Die Festival-Reihe Jazz im Palmengarten wurde im Jahr 1959 von Werner Wunderlich begründet. Seitdem findet jedes Jahr im Sommer ein Jazz-Fest statt. Die Reihe ist weltweit bekannt, da sie als älteste kontinuierliche Jazz open air Reihe gilt. Das erste Konzert spielte Albert Mangelsdorff am 3. Juli 1959. Bis 2004 trat er jedes Jahr dort auf. Seit dem Jahr 2003 liegt die künstlerische Betreuung der Open-Air Konzerte bei der Jazzinitative Frankfurt. Die Initative betreut sechs Konzerte pro Saison.

Der Eintrittspreis liegt inzwischen doppelt so hoch wie der Preis einer Eintrittskarte in den Palmengarten. Im Jahr 2014 wurde der städtische Zuschuss entsprechend des Haushaltsplans gestrichen. Um die Konzertreihe weiter am Leben zu erhalten, wurde die Finanzierung aus dem Etat des Palmengartens beschlossen. Matthias Jenny, zu dieser Zeit Direktor, erklärte die Finanzierung der Saison 2014 am 19. Juni für gesichert.